"Ein Hans Wurst" Sonderkolumne Brüske

Gut 150 km vom Rheinland entfernt lebt und produziert der „Hans Wurst der zweiten Welle“, besser bekannt unter seinem bürgerlichen Namen Clemens Tönnies. Mit Herrn Tönnies bekommt die Wurst in Deutschland endlich ein Gesicht. Denn während wir gerade mühsam versuchen, den Alltag scheibchenweise wieder ans Laufen zu bekommen, werden im Kreis Gütersloh die Uhren wieder auf Mitte März zurückgestellt. 

Daran ändert auch nicht seine unter Krokodilstränen gestammelte Entschuldigung vor laufenden Kameras. Haben Sie es mitgekriegt? „Die über 1000 Covid 19 Fälle täten ihm ja wahnsinnig leid. Diese osteuropäischen Leiharbeiter seien aber auch immer so unvorsichtig und hielten sich nicht an den Abstand auf, äh, an seinen Schlachtbänken! Tse tse tse..“

Herr Tönnies wurde übrigens schon letztes Jahr verhaltensauffällig, als er beim Handwerkertag in Paderborn die Afrikaner und ihr spezielles Fortpflanzungsgebaren verhackstückte.

Ich werde wegen dieses Aufschneiders übrigens nicht zum Veganer. Aber ich habe mir erlaubt, zwei Stunden lang zu recherchieren, unter welchen Marken die Tönnies-Unternehmensgruppe unsere Supermärkte beliefert.

Wenn das viele so handhaben, wage ich die markige Behauptung, dass für das von Tönnies gepökelte Schalke 04 nicht mehr so viel Geld übrig bleiben dürfte. Mir ist auch klar, dass sich aktuell kein Schwein als Schalke Fan outen möchte. Und es wäre ein Einfaches, in dieser Kolumne den ehemaligen Arbeiterverein durch den Wolf zu drehen. Aber ich tue das nicht. 

Denn ich liebe den Fußball! Und angesichts neureicher Emporkömmlinge wie Hoffenheim, RB Leipzig oder Wolfsburg ist Tradition im Fußball inzwischen ein hohes Gut. Und das gilt insbesondere für Schalke 04! Wer erinnert sich nicht an die Filetstücke aus Gelsenkirchen: Den berühmten Fallrückzieher von Klaus Fischer, den Zigarre rauchenden Rudi Assauer oder den legendären „Schalker Kreisel“?

Ernst Kuzorra und sein Schwager Fritz Szepan, die schon vor über 80 Jahren einen Tiki-Taka Stil pflegten. Da war Pep Guardiola noch ein anonymes Spermium im Meer der katalanischen Fleischeslust!

Ich leide mit dem FC, mein Vater ist Fan vom BVB. Und der hat mir berichtet, wie enttäuscht er war, als er vor vier Jahren bei einem Ausflug des Männergesangvereins zu Besuch auf Schalke in der Arena war und da aufs Klo musste. Was stand dort auf offiziellen Tafeln über den Pissoirs: Tod dem BVB!

Ich wünsche Schalke ausdrücklich nicht den Tod. Ich hoffe nur, dass sie den widerlichen Wurstbaron endgültig in eine Metzgerei nach Timbuktu verbannen und sich eine Zeitlang in der 2. Liga an ihre Wurzeln zurückerinnern. Denn damit wäre selbst auf Schalke ein veganer Anfang gemacht.