Kolumne Teil 1 Kein Grund zur Langeweile

Zwei Tage gilt sie nun in Deutschland: die erste staatlich verordnete Quarantäne seit den Wimbledon-Triumphen von Boris Becker. Das musst du erstmal sacken lassen!

Und, wird Ihnen schon langweilig? Der erste Schock über pulverisierte Freiheiten ist dem Umstand gewichen, dass wir mit Partner und Kindern den lieben langen Tag zu Hause bleiben dürfen. Und während Frauen vereinzelt schon von Scheidung und Männer von Sterilisation träumen, fällt vielen von uns so langsam die Decke auf den Kopf. Und jetzt, wo ein Kontaktverbot ab zwei Personen gilt und selbst unsere Kanzlerin in Quarantäne muss, weil ihr Arzt (!) positiv getestet wurde, kannst du da überhaupt noch guten Gewissens an die frische Luft? Und die, die im Moment neben sich stehen, dürfen die zum Spaziergang überhaupt noch einen mitnehmen? Fragen über Fragen..

Aber mal als kleiner Denkanstoß: eigentlich gibt es doch keinen Grund Trübsal zu blasen. Die Fernsehgucker schauen Fernsehen. Das TV-Special „Pocher versus Wendler“ liegt zum Glück hinter uns und das Programm kann nur besser werden. Die Labertaschen telefonieren, skypen oder schreiben, was das Zeug hält. Denn es gibt zurzeit keinen auch noch so entfernten Verwandten oder Freund, der sich nicht über eine Kontaktaufnahme freut!

Die Herzbefleckten (und das sind mehr als wir denken) bieten sich den diversen Nachbarschaftshilfen an. Die Sportlichen, denen die Schließung ihres Fitnessstudios zusetzt, melden sich bei den hiesigen Landwirten, ob sie beim Säen und Ernten einspringen dürfen. Und haltet euch fest: dieses neuartige Workout aus den Übungen Spargel-Stretching und Erdbeerbeugen wird sogar bezahlt!

Die Spirituellen, die gerade jetzt so gerne in die Gottesdienste gehen würden, schmökern mal wieder in der Bibel. Und wer hindert uns daran, beim Onlineshop unseres vertrauten Buchhändlers Literatur anderer Religionen zu ordern? Eine solche Toleranztherapie über den theologischen Tellerrand kann aus meiner Sicht nie schaden.

Und was macht ihr Vermieter, Pächter und Großgrundbesitzer? Falls euch beim Geld zählen langweilig werden sollte: Schaut doch kurz, ob es unter euren Schäfchen vielleicht Einzelhändler, Kellner oder Freiberufler gibt. Die freuen sich bestimmt wie Bolle, wenn ihr ihnen beim Sparen unter die Arme greift.

Ach ja: und dann gibt es noch einen Typus, dem garantiert nie langweilig wird: den „Homo Hakle“, sprich der gemeine Klopapierhamster. Der setzt sich schon frühmorgens um 4:00 Uhr ins Auto, schleicht sich zum Supermarktparkplatz und wartet auf die nächste Lieferung. Wie ein Schauspieler auf der Suche nach der nächsten Rolle zählt für ihn nur eins: die Vervollständigung seiner Sammlung! Ich konnte mir dieses Verhalten lange nicht erklären. Meine einzige Theorie ist mittlerweile: wer im Grunde seines Herzens ein Arschloch ist, muss eben dieses als erstes versorgen. Stellt euch doch mal vor: eine Krankenschwester, die nach einer Zwölf-Stunden- Schicht (wenn nicht sogar mehr) noch ein paar Einkäufe erledigen muss, steht wegen euch vor leeren Regalen. Wollt ihr das? Also bitte: hört auf damit oder nehmt einen Waschlappen, ihr Waschlappen!

Ich gehe jetzt zu meinem Vermieter und biete ihm zehn Rollen gegen Rabatt an. Hätte nie gedacht, dass der Besitz von derlei Hygieneartikeln einmal die halbe Miete ist.

Hat Ihnen dieser Teil meiner Kolumne gefallen?

Dann habe ich jetzt eine gute Nachricht für Sie: 33 weitere Kurzgeschichten können Sie ab sofort als Gesamtausgabe in meinem neuen 160 Seiten umfassenden Buch lesen. Es heißt:

„Virulent“- Satirische Kurzgeschichten

und kann gleich HIER ansteckungsfrei bestellt werden.

Brüske Von der Kolumne zum ersten Buch
Herzlichen Dank an Hans-Werner Klinkhammels vom General-Anzeiger