Kolumne Brüske Teil 3: Frohe Ostern

„Eine Pandemie kennt keine Feiertage“, hat unsere Kanzlerin vor kurzem gesagt. Ein weiterer Beleg dafür, was für ein Vollpfosten das Virus ist. Denn gerade das Osterfest ist etwas ganz besonderes. Jetzt sollten wir heutzutage nicht mehr unbedingt voraussetzen, dass jeder weiß, warum dieses Fest eigentlich gefeiert wird. Ein Realschüler der neunten Klasse wurde einmal im Religionsunterricht gefragt: „Was geschah Ostern?“ Was war seine Antwort: „Äh, Jesus ist aufgekreuzt.“ Gott, lass Hirn regnen! Andere denken, Ostern ist der Tag, an dem ein Eier legender Hase gezüchtet wurde. Und viele junge Menschen erkennen die Ostertage nur noch daran, dass bei Kabel Eins alle Folgen von „Stirb langsam“ laufen.

Hey Bros, das ist Käse! Ostern ist etwas Wunderbares. Im christlichen Glauben beschreibt es die Idee, dass unser Leben nach dem Tod weitergeht. Und zwar so, dass wir für unseren Netflix-Account gar nichts mehr bezahlen müssen! Das soll uns Kraft und Zuversicht spenden.

Diese positiven Perspektiven kursieren übrigens auch in anderen Religionen. Im Islam stellt man sich das Paradies so vor, dass nach dem Tod 72 Jungfrauen auf dich warten. Ok, es gibt Gelehrte, die meinen, dass an der Stelle der Koran falsch übersetzt wurde und nicht 72 Jungfrauen gemeint sind, sondern eine 72 jährige, die noch Jungfrau ist. Im Hinduismus geht man davon aus, dass unsere Seele und unser Geist ewig existieren. In einem früheren Leben waren wir vielleicht ein Kieselstein am Rheinufer und im nächsten sind wir der Schlüpper von Helene Fischer. Und wenn Sie denken, sieben Leben sind genug, dann reden Sie mit ihrer Katze. Durch den Lagerkoller wird sie Ihnen sogar antworten.

Vor uns liegt aber jetzt auch eine besondere Herausforderung: wir hätten Ferien gehabt, das Wetter ist grandios, aber wir dürfen nicht raus. Vor ein paar Monaten hätten wir noch den Pflichtbesuch bei der buckligen Verwandtschaft verflucht. Jetzt würden wir nichts lieber tun als mit der Schwiegermutter in der Eifel die dritten Zähne auszutauschen! Ich kann Sie nur anflehen: bitte bleiben Sie zu Hause. Verstopfen Sie nicht die Wanderwege und Promenaden. Beißen Sie in diesen besonders sauren Apfel! Sonst haben wir wirklich eine Wiederauferstehung, und zwar die an Neuinfektionen. Und wenn Sie es gar nicht mehr aushalten, dann gehen Sie wenigstens dahin, wo niemand hin will: zur SPD-Geschäftsstelle oder zum Stadion von Bayer Leverkusen!

Machen Sie sich stattdessen doch einen Spickzettel, was Sie alles tun werden, wenn der Spuk vorbei ist. Bei mir steht ganz oben: bei lokalen Einzelhändlern einkaufen, die besonders unter dem Verdienst-ausfall leiden mussten. Den nächsten Urlaub nicht online, sondern übers Reisebüro buchen, damit die wieder halbwegs auf die Beine kommen. Mein persönlicher Sehnsuchtsort ist zum Beispiel eine Stelle am Gardasee. Mir blutet das Herz, wenn ich die Bilder aus Italien sehe. Sobald ich darf, fahre ich dahin und dann gibt es für den Espresso ein besonders großzügiges Trinkgeld. Ich bin mir sicher, Sie alle kennen so einen Ort.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch eine private Geschichte anvertrauen. Ich finde, sie hat viel mit dem Grund zu tun, warum wir Ostern feiern. Aber entscheiden Sie selbst: Vorletztes Jahr ist mein Onkel an Krebs gestorben. Für seine Intensivbehandlungen wurden ihm damals ein paar Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt. So richtig gute mit Filter. Da er leider nicht mehr alle brauchte, hat mir meine Tante jetzt eine davon geschenkt. Dass ausgerechnet mein Onkel über seinen Tod hinaus vielleicht mein Leben rettet, das hätte ich auch nie für möglich gehalten!

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Brüske Von der Kolumne zum ersten Buch
Herzlichen Dank an Hans-Werner Klinkhammels vom General-Anzeiger