Corona Kolumne Teil 6

Unsere Kanzlerin gilt ja gemeinhin als eher sachlicher Charakter. Dass aber unserer Mutti in einer internen CDU-Präsidiumssitzung der Ausdruck „Orgien“ über die Lippen kommt, ist  schon eher erstaunlich. Viele waren sogar verblüfft, dass sie den Ausdruck überhaupt kennt! Genau genommen sprach sie von „Öffnungsdiskussionsorgien“ im Zusammenhang mit den ersten Lockerungen nach dem sogenannten Lockdown, nennen wir ihn „Lockererdown“ oder „Frohlockdown“. Die Frisöre nennen es auf jeden Fall „Lockendown“.

Doch während bei einer Orgie laut Definition „eine Gruppe gemeinsam unsittliches Verhalten betreibt“, werden die Öffnungsdiskussionen in den Bundesländern sehr unterschiedlich geführt: denn während in dem einen Land hunderte von Menschen auf Einlass im Baumarkt hoffen, bezahlst du anderswo für ein Picknick mit Freunden noch locker 250 € Strafe. Und während die Deutsche Fußball Liga allen Ernstes ihre Saison zu Ende bringen will, darfst du in manchen Regionen noch nicht mal zur Beerdigung deiner Oma!

Dabei haben sich unter den sechzehn Landesfürsten zwei Giganten zum Duell formiert: Laschet und Söder! Während Armin Laschet vorzugsweise die Menschen aus der Lethargie befreien will, möchte sie Markus Söder vom Beatmungsgerät der Intensivstation fern halten. Und dabei greift der resolute Franke sogar zu historischen Einschnitten: das Münchener Oktoberfest 2020 ist abgesagt!

Da diese Kolumnenreihe aber auch Perspektiven eröffnen will, hier mein Vorschlag, wie sie das Oktoberfest-Feeling auch zu Hause erleben können: Ziehen Sie sich zuerst ihr Dirndl oder Ihre Lederhosen an. Falls Sie keinen geeigneten Krug haben, holen Sie aus dem Schrank eine große Blumenvase. Füllen Sie diese mit dem alkoholischen Getränk Ihrer Wahl. Falls Sie so ein Gerät im Haus haben, sagen Sie: „Alexa, spiel Blasmusik, Lautstärke 10!“ Schütten Sie sich tanzend eine weitere Vase ein. Falls sie vorher nichts gegessen haben, beginnt mit etwas Glück schon jetzt die erste Achterbahnfahrt!

Sie besitzen ein Campingzelt? Phantastisch! Bauen Sie es im Wohnzimmer auf, schalten Sie das Licht aus und schauen Sie sich auf Ihrem Smartphone ein aktuelles Video von Xavier Naidoo an. Und fertig ist die Geisterbahn! Nach zwei drei weiteren Alkvasen geht’s runter in die Tiefgarage, wo sie eine Runde Autoskooter fahren. Aber verraten Sie es noch nicht Ihren Nachbarn…

Auf dem Rückweg in die Wohnung ist dann noch Gelegenheit für einen spontanen Auswurf auf Ihrer „Wies`n“. Denn schon startet die zweite Runde. Nur bitte Obacht (bayrisch Obazda):

Die nächste Fahrt geht rrrrrückwärts!“!!

Ab nun sind Sie auch nicht mehr alleine, da Sie alles doppelt und dreifach sehen. Singen Sie gemeinsam ein beschwingtes:

Ich hab zu Haus` ein Hofbräuhaus, eins, (neue Vase voll machen), zwei, g`suffa!!

Kruzifix, so zünftig haben Sie „dahoam“ noch nie gefeiert! Aber wer weiß? Vielleicht findet das Oktoberfest ja doch noch statt: nicht in Bayern, aber in NRW. Es gibt da so Gerüchte, Herr Laschet will es nach Köln holen und auf dem IKEA-Parkplatz aufbauen. Mach et Armin, das wird bestimmt eine „Mordsgaudi“!

Übrigens: wenn Sie die Vase durch einen Putzeimer und die Blasmusik durch Jürgen Drews ersetzen, ersparen sie sich jetzt schon den diesjährigen Trip zum Ballermann!

In diesem Sinne: frohlockernde Orgien und viel Spaß mit Ihren Nachbarn.

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Brüske Von der Kolumne zum ersten Buch
Herzlichen Dank an Hans-Werner Klinkhammels vom General-Anzeiger